Der nächste Schritt.

Fast zwei Tage ist es her, das meine Frau verstorben ist. Zwei Tage, an denen es mir eigentlich gut ging. Immer dann, wenn ich beschäftigt war oder abgelenkt oder Menschen um mich rum waren, die nicht nur still dabei saßen, sondern geredet haben, über was auch immer, ging es mir gut. Nur wenn ich durch Dinge, Worte, Begebenheiten oder Menschen an meine Frau erinnert wurde, weinte ich und es ging mir nicht mehr gut.

Also liegt es doch nahe, alles das weg zu räumen hier im Haus, was mich an meine Frau erinnert. Klar gehört Erinnerung dazu und ich möchte meine Frau auch nicht vergessen, aber ich will selbst entscheiden wann ich mich an sie und die tollen Jahre an ihrer Seite erinnere. Es bringt niemandem etwas, wenn ich zum Beispiel ein T-Shirt oder ein Buch von ihr sehe in einer Situation, in der es mir sowieso schon nicht gut geht oder ich nicht auf diesen Schmerz vorbereitet bin.

Meine Freunde meinen zwar ich soll mir damit Zeit lassen und erst mal zur Ruhe kommen, doch wie soll ich zur Ruhe kommen, wenn ich andauernd an sie erinnert werde. Also fange ich morgen damit an ihre Kleidung, Schminke und persönliche Dinge zu verpacken.

Außerdem werde ich ab morgen auch wieder im Wald zu finden sein, und zwar täglich. Ich werde anfangen ab morgen täglich mindestens ca. 2 km zu laufen, früh morgens vor der Arbeit. Die langen Läufe gibts dann nur noch am Wochenende zusammen mit meinen Freunden vom Lauftreff.

Ich dachte ich müsste nun als trauernder Ehemann irgendwelche Erwartungen der Gesellschaft erfüllen. Ich dachte das erwartet man von mir, vielleicht das ich schwarz trage, gebeugt gehe und die nächste Zeit auf keinen Fall lache oder andere Dinge in meiner Trauer mache, die überhaupt nicht meinem Naturell entsprechen. Einen Scheiß muss ich!

Es mag nun dem ein oder anderen kalt oder herzlos erscheinen, doch ich hatte über ein Jahr Zeit mich mit dem Gedanken anzufreunden, das meine Frau vor mir stirbt und das ich nun alleine bin. Außerdem habe ich die letzten Tage meine Frau hautnah miterlebt und ich bin der festen Überzeugung das der Tod eine Erlösung war. Sicher vermisse ich meine Frau und ich hätte sie lieber gesund hier an meiner Seite, aber auf Grund dieses Arschlochs Namens Krebs geht das nicht und da ist es so besser wie es nun ist.
Ich glaube, die Phase der Trauer wird bei mir nicht lange anhalten. Vermissen werde ich meine Frau mein restliches Leben lang, aber über ihren Tot kann ich nicht so richtig traurig sein, weil es das Beste für sie war friedlich im Kreis ihr nahe stehender Menschen einzuschlafen.

Und für mich ist es nun das Beste mich nicht einzuigeln sondern einen Schlussstrich unter 31 wundervolle Jahre zu ziehen und neu zu beginnen. Es wird schwer genug werden …..

Danke Lutz! (Insider)

23 Antworten auf „Der nächste Schritt.“

  1. Ich denke das ist die richtige Entscheidung dies zu tun wann du bereit dafür bist und wenn das JETZT ist das ist es jetzt. Auch jetzt wieder Läufe zu starten ist eine gute Idee
    Alles liebe in Gedanken bin ich bei euch

  2. Es ist Dein Weg, und der einzige, der ihn kennt, bist Du. Erfülle keine Erwartungen in Bezug auf Art und Dauer der Trauer, auf Verhalten oder sonst was. Du bist Du, und nur Du triffst diese Entscheidungen-damit umzugehen und Dein Leben zu leben. Du hast bishierher ganz viel Kraft bewiesen, Du wirst auch die Kraft und den Mut haben, Deinen Weg mit Deinen Entscheidungen weiter zu gehen.

  3. Lieber Ludger,
    schön, dass du Situationen hast, in denen es dir gut geht und NEIN! du musst keinerlei Erwartungen der Gesellschaft erfüllen! Die Gesellschaft wohnt nämlich nicht bei dir und muss nicht dein Leben leben! Ich bin sicher, Beate würde dir in den Allerwertesten treten, wenn du nicht alles so machen würdest, dass es dir gut geht. Sie wird für dich und deine Familie niemals vergessen sein und dafür braucht ihr keine T-Shirts, schwarzen Anzüge oder gramgebeugte Häupter. Wenn ihr das Leben rockt, dann wird sie von wo auch immer auf euch Blicken und stolz mitrocken.
    (und ich meine das überhaupt nicht salopp oder unernst.)
    Liebe Grüße
    Malin

  4. Lieber Ludger,
    ich finde deine Art nicht „hart“ oder „herzlos“, ich kann das absolut verstehen. Es gibt für alles seine Zeiten, die fürs Lachen und die fürs Weinen – man sollte sie so nehmen wie sie kommen.
    Und vor allem: einen Scheiß drauf geben was andere dazu sagen!
    Dir und deiner Familie muss es gut gehen – alles andere interessiert nicht 🙂
    Du schaffst das schon, da bin ich mir ganz sicher *tschakka*
    Liebe Grüße Antje

  5. Ich schreibe hier einfach mal, obwohl wir uns nicht kennen, so von Läuferin zu Läufer…. nur du allein entscheidest, was gut für dich ist. Was gut für DICH ist, kann niemand anders beurteilen und sollte es auch nicht tun. Ich wünsche dir viel Kraft!

  6. Hey,
    Tue das was du für richtig hältst. Es ist total egal was andere tun würden und Sie vielleicht erwarten.
    Jeder Mensch ist anders und geht eben auch anders als andere mit gewissen Dingen um. Wenn das für dich das richtige ist und es dir damit besser geht dann mach einfach. Es ist schlimm genug wie es ist und ich glaube auch noch schlimmer wenn man so etwas hautnah miterlebt mit einem Menschen den man sehr liebt.
    Sie wird immer bei dir sein, egal was du tust. Wichtig sind nicht die Gegenstände, sondern das was du im Herzen trägst.
    Ich habe sehr großen Respekt vor dir wie du das alles gemeistert hast und auch jetzt wie du damit umgehst und daraus kein Geheimnis machst.
    Ich wünsche dir alles gute.
    Lieben Gruß
    Joana

  7. Lieber Ludger,

    ich habe gerade erst mitbekommen, dass Deine liebe Frau den Kampf verloren hat und es tut mir so unendlich leid. Ich wünsche Dir und Deiner Familie viel Kraft und denke, dass Du die genau richtige Einstellung für Dich gefunden hast.

    Lieben Gruß
    Sylvi

  8. Also lieber Ludger eins muß ich echt mal los werden. Ich bewundere dich für deine Kraft. Als wir uns im Mäckes gesehen haben hatte ich einen fetten Kloß im Hals und das Lachen fiel mir extrem schwer. Wenn dir das laufen hilft sage ich sofort mach alles damit es dir wie auch immer gut geht. Ich finde gar nicht die richtigen Worte die es auch in diesem Fall nicht gibt.
    Für mich persönlich seid ihr alle verdammt stark und ich wünschte ich hätte nur einen kleinen Teil von euch.

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