26.11.2017

Zur Zeit kann ich nichts schreiben, wenigstens nicht über meinen aktuellen Gemütszustand, über meine Psyche oder wie ich mich fühle. Da passieren gerade Dinge mit mir, in mir, mit meinem Geist…. Diese Dinge sind sehr verwirrend. Ich spüre aber, das es weiter geht mit meiner Genesung.

Wie es der Zufall oder das Schicksal wollte lernte ich eine Dame kennen, die sehr viel Erfahrung mit Trauer und Trauerbegleitung hat. Außerdem ist sie sehr spirituell und empathisch. Sie weiß sehr genau, was da gerade in mir vor geht und sie versteht es die richtigen Knöpfe zu drücken, um mich weiter voran zu bringen in der Verarbeitung des Todes meiner Frau und vor allem auch der Zeit davor auf der Palliativstation.

Der Bescheid über meinen Antrag auf eine Reha-Maßnahme ist da. Er ist positiv ausgefallen und man schickt mich für 5 Wochen in eine Fachklinik für psychosomatische Medizin. Wann es genau los geht erfahre ich von der Fachklinik. Nun hoffe ich das ich erst im neuen Jahr die Reha antreten muss / darf / soll, damit ich Heiligabend bei meinen Kindern bin und ab dem 1. Weihnachtstag meine Wanderung zu meinem Bruder durchziehen kann.

Auf der einen Seite freue ich mich auf die Reha, auf der anderen bin ich voll von Ängsten deswegen. Mein momentaner Gemütszustand ist alles andere als stabil. Da sind in den letzten Tagen ein paar Dinge in meinem Kopp angestoßen worden von Freunden, die mich sehr ans Nachdenken und Hinterfragen gebracht haben, was meine Gefühle und meine Einstellung zu Leben und Tod angehen. Es ist extrem anstrengend, ehrlich zu sich selber zu sein und die Dinge beim Namen zu nennen.

Das Schreiben hier hilft mir Gott sei Dank aber immer noch, und sei es nur um manches klarer zu sehen durchs schreiben. Ich hab schon wieder Tränen in den Augen. Die Dame, die mir hilft, sagt, ich soll das ruhig zulassen und weinen, aber bis jetzt geht das nicht. Ich dränge es gar nicht bewusst zurück, sondern warte einfach nur darauf, das es aus mir heraus bricht, doch das tut es nicht.

Es ist nur einmal passiert, das ich tatsächlich die Kontrolle verloren habe und lange und sehr intensiv weinte. Das war, als meine Frau Beate noch lebte und wir uns darüber unterhielten das sie irgendwann vor mir stirbt. Da brach es aus mir heraus, danach nie wieder. Seit meine Frau tot ist spüre ich nichts mehr.

Bis auf die Angst sind alle Gefühle mit meiner Frau gestorben. Außer der Angst kann ich nichts mehr fühlen, höchstens so kleine nicht tief gehende Gefühle wie Heiterkeit bei einer komischen Situation oder wenn einer einen Witz erzählt. Also Triviales und Nebensächliches wecken schon noch Gefühle in mir, nur die wirklich wichtigen, tiefen Gefühle wie Liebe oder Hass sind nicht existent. In Situationen, in denen solche Gefühle eigentlich an die Oberfläche kommen, denke ich nur immer: „Ist doch egal….“ und empfinde nichts. So ungefähr fühlt sich das an. Kalt.

Da schau her, jetzt konnte ich doch was schreiben. Bis dann…

5 Gedanken zu „26.11.2017“

  1. Lieber Ludger,
    du bist sehr mutig, tapfer und stark, weil du beginnst dich mit dir und deinen Gefühlen auseinander zu setzen.
    Das ist eine riesen große Herausforderungen und wieder einmal darfst du stolz auf dich sein. Wieder einmal machst du alles richtig ! Wenn du dich um dich und deine Genesung kümmerst werden die Menschen die du liebst und die dir wichtig sind von dir profetieren.
    Du musst jetzt nicht mehr für andere funktionieren!
    Du hast für Beate alles gegeben und deine gesamte Kraft eingesetzt um sie bis zu ihrem Tode zu begleiten.
    Was für eine Herausforderung ! Man schafft das, irgendwie…man hat ja keine andere Wahl !!
    Deine Kinder sind alle erwachsen und in der Lage dazu sich während deiner Anwesenheit selber zu versorgen.
    Vertraue ihnen, sie werden es schaffen und nicht untergehen.
    Ich finde es großartig dass du in die Reha gehst.
    Dort bekommst du die Chance dich vielleicht erstmals im Leben nur um dich zu kümmern, denn du hast dich ja bisher stets um andere gekümmert und Verantwortung für so viele Menschen übetnommen, aber niemals für dich selbst.
    Jetzt bist du mal dran.
    Lerne dich, deine Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche neu kennen, denn nur dann kannst du mit anderen Menschen dein Glück und deine Gefühle teilen.
    In diesem Sinne wündche ich dir auch weiterhin einen guten Start auf der Reise zu dir selbst.
    Deine Heike

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